Liebe Freund:innen
Woran denkt ihr, wenn ihr den Ausstellungstitel «Versorgt. Verdingt. Vergessen» lest?
…. ja, genau: an Verdingkinder, Fahrende und fürsorgerische Zwangsmassnahmen.
Für Elisa, die 16-jährige unverheiratete Schwangere, galten zwar nicht direkt fürsorgerische Zwangsmassnahmen; aber sie stand damals unter immensem Druck von Behörde, Familie und Gesellschaft, ihre Einwilligung zur «freiwilligen Freigabe» ihrer Tochter zu geben.
Noch 1969 wurden ledige Mütter als liederlich und moralische Gefahr für die Gesellschaft taxiert. «Das Beste ist die Freigabe», rieten alle. Aus den Augen aus dem Sinn. Das Beste für wen genau? Für die Mutter? Für das Kind? Für die Gesellschaft? Für die Sozialkassen? … und vielleicht auch das Beste für den Vater?
Und das 1969, im Jahr, in dem Menschen zum Mond flogen, andere in Woodstock die freie Liebe feierten. Das war tatsächlich zu Lebzeiten vieler von uns, vielleicht auch von euch, liebe Freund:innen? 1981 erst erfolgte die Gesetzesänderung, auch auf internationalen Druck hin.
Am 30. Juni 2026 kommen die 1969 ledige 16-jährige Mutter Elisa Meister und ihre Tochter Michelle Dreifuss als Zeitzeuginnen in den Generationentalk «Unehelich schwanger in den 60er Jahren? ‹Das Beste ist die Freigabe›». Sie erzählen von einer Mutter-Tochter-Beziehung, die mit 18 Jahren Verspätung begann. Sie erzählen, wie sie ihr Leben gelebt, aufgebaut, genossen und viel erreicht haben – trotz Ausgrenzung, trotz denkbar schlechtem Start. Elisa (73) stellt ihr Buch Amputierte Mutter vor, in dem sie ihre Geschichte erzählt. Michelle (57) erzählt, wie sich ihre Beziehung zur Elisa, ihrer leiblichen Mutter, entwickelt und gefestigt hat.
Schwere Themen? Nicht nur! Ihr kommt mit zwei beeindruckenden Frauen ins Gespräch und geht wahrscheinlich nachdenklich, aber mit viel Zuversicht nach Hause.
Ich freue mich darauf, mit euch diesen Abend im Begegnungszentrum zu erleben.
Herzlich,
Heidi Bühler-Naef (73)
Moderatorin, Vorstandsmitglied